Lernt der Boss wirklich was vom Ross? So wirkt Coaching mit Pferden.

Manchmal kann man im Coaching-Dschungel schon den Überblick bei den vielen unterschiedlichen Angeboten verlieren. Woher soll man als Interessent wissen, welche Art von Coaching für einen selbst die passende ist? Und dann gibt es auch noch immer mehr Anbieter unter dem Deckmantel des erlebnisorientierten Coachings, z. B. mit Eseln, Lamas, Hunden oder Pferden. Ich bin dabei auch über die Schlagzeile „So lernt der Boss vom Ross“ gestolpert. Doch was steckt eigentlich wirklich hinter diesem Wortspiel? Ponyhof? Pferdestreicheln? Oder eine Methode? In diesem Blog möchte ich erklären, was wirklich hinter einem Coaching mit Pferden steckt.

Ablauf
Im pferdegestützten Coaching wird nicht nur im Büro, sondern auch auf einem Reiterhof mit einem oder mehreren Pferden gearbeitet. Die Pferde werden dabei aber nicht geritten, wie man es vielleicht vom therapeutischen Reiten kennt. Stattdessen geht es darum verschiedene Hindernisse oder Aufgaben vom Boden aus mit dem Pferd zu lösen. Ein Beispiel könnte sein das Pferd an einem Führstrick durch einen Hindernisparcours zu führen. Was hat das nun mit Coaching zu tun?

Ein häufiges Missverständnis
Es geht im pferdegestützten Coaching absolut nicht darum, ob man es tatsächlich schafft, das Pferd durch den Hindernisparcours zu führen. Es geht also auch nicht darum, dass man lernt mit Pferden umzugehen (wie z. B. in einer Hundeschule mit dem Hund). Und vor allem darf man nicht den Fehler machen, zu glauben, wenn ich ein Pferd führen kann, bin ich ein guter Chef und wenn nicht, eben nicht. Dieser Schluss wäre viel zu kurz gegriffen, denn Pferde führen anders als Menschen. Der Boss lernt also nichts direkt vom Ross. Wozu dann der Aufwand mit den Pferden?

Was bringt´s?
Das Ziel in einem Coaching mit Führungskräften ist es häufig die Selbstreflexion des Coachees anzuregen. Es geht darum den persönlichen Führungsstil kennen zu lernen, zu verstehen wie man sich selbst führt und welche Wirkung man auf das Gegenüber hat. Die Wahrnehmung wird sensibilisiert, was Kommunikation, Wertschätzung und Bedürfnisse angeht. Alle diese Punkte kann man mit einem pferdegestützten Coaching erlebbar machen und sehr schnell Veränderungen anstoßen, wenn das gewünscht ist. Dadurch werden die Lernerfahrungen im pferdegestützten Coaching so nachhaltig verankert. Denn Pferde bringen von Natur aus einige Eigenschaften mit, die uns Menschen helfen auf unsere Einstellung, Kommunikation und Wirkung zu achten.

Eigenschaften von Pferden
Pferde sind Flucht- und Herdentiere. Durch den überlebensnotwendigen Fluchtinstinkt verfügen Pferde über eine äußerst sensible Wahrnehmung ihrer Umgebung – inklusive der Körpersprache des Menschen. Meistens unbewusst senden wir Menschen körpersprachliche Signale, die unsere innere Einstellung und emotionale Verfassung widerspiegeln. Möchten wir also nach außen hin selbstbewusst wirken, doch haben eigentlich sehr großen Respekt, zeigen wir dies nonverbal. Das Pferd reagiert stets auf unseren nonverbalen Ausdruck und reagiert entsprechend. Durch die Spiegelung der Pferde halten wir gewissermaßen die Lupe auf unsere Körpersprache und damit auf unseren emotionalen Ausdruck, was wir im Alltagstrubel oft übergehen. Somit können wir leichter lernen, was heißt kongruent zu sein, sodass verbale und nonverbale Kommunikation in Einklang ist. Das nehmen Menschen als Ausstrahlung der Souveränität und Authentizität wahr.
Als Herdentiere sind es Pferde gewohnt in Hierarchien zu leben. Sie ordnen sich gern unter, insofern die Führungsperson kongruent Vertrauen und Sicherheit ausstrahlt. Dann folgen sie einem freiwillig – auch ohne Führstrick. D.h. in den Übungen mit den Pferden wird es den Coachee permanent beobachten und sich entsprechend des Auftretens führen lassen oder nicht. Mit diesen Erfahrungen lässt es sich dann wunderbar im Coaching ohne Pferd weiterarbeiten. Denn meistens kommt man auf diese Weise sehr viel schneller auf das eigentliche Thema im Coaching und kann dann zielgerichtet weiter coachen.

Das Pferd als Methode
Ein Pferd ist im Coaching daher eine Art Instrument oder Methode, die in der Analysephase hilft typische Muster des Coachees bewusst zu machen. Diese können dann auf den Führungs- und Kommunikationsstil im Business reflektiert werden. In der Verankerungsphase steht ein Pferd außerdem geduldig als Sparring Partner zum Üben bereit bis man die Wirkung der kongruenten, selbstsicheren Ausstrahlung spürt. Denn dann klappt Führung plötzlich ganz leicht und fast wie von selbst.

Die Wirkung von Triade zwischen Pferd, Coach und Coachee
Wird ein Pferd im Coaching eingesetzt, entsteht ein Wirkungsgefüge zwischen dem Tier, dem Coachee und dem Coach – also quasi ein Wirkungsdreieck. Was dort genau geschieht und ein pferdegestütztes Coaching letztendlich wirkungsvoll macht, habe ich in meiner Doktorarbeit über Jahre hinweg genau untersucht und in einem wissenschaftlichen Buch veröffentlicht. Außerdem konnte ich mit pferdegestütztem Coaching bereits etlichen Coachees zu mehr Selbstsicherheit, Souveränität und Leichtigkeit in der Führung helfen.
Dabei habe ich einige Wirkfaktoren identifiziert, die es zu kennen und zu beachten gilt, damit Pferde ihre Wirkung in einem Coaching sinnvoll entfalten können. Diese Faktoren sowie den größten Fehler, den viele Coaches mit Pferden tun, habe ich in mein neues Webinar gepackt.

Neues gratis Webinar

Wenn Sie also mehr über die wissenschaftliche Fundierung wirkungsvollen Coachings mit Pferden erfahren möchten, sichern Sie sich gleich einen der wenigen Plätze in meinem neuen Webinar am 22.10.19. Hier geht es zur Anmeldung Das Webinar findet live statt – ohne Aufzeichnung und ist kostenfrei!
Denn es ist z. B. nicht jedes Anliegen für ein pferdegestütztes Coaching geeignet - Vorsicht also vor prinzipiellen Lösungsversprechen. Außerdem ist der anschließend Transfer in den Alltag des Coachees von enormer Wichtigkeit. Dazu ist es nötig, dass der Coach genau beobachtet, was in den pferdegestützten Übungen geschieht und empathisch mitfühlt, die Übungen hinterher gemeinsam mit dem Coachee reflektiert und mit Feingefühl, Methodenwissen und Intuition für den Coachee und dessen Lösungsprozess übersetzt. Gelingt dieser sensible Prozess in der Triade mit dem Pferd, ist ein Lernen möglich, das emotional, kognitiv und praktisch geschieht. Doch damit es dazu kommt, ist die professionelle Begleitung durch einen gut ausgebildeten Coach unerlässlich. Insofern müsste es eher heißen: Der Boss lernt MIT dem Ross UND dem Coach.

Neue wissenschaftlich zertifizierte Weiterbildung
Da mir die Professionalisierung pferdegestützten Coachings wichtig ist, freue ich mich besonders, dass ich in Kooperation mit der Universität Heidelberg eine erstmals wissenschaftlich zertifizierte Weiterbildung anbieten darf, die genau darauf abzielt: Wirkungsvolle Kommunikation im Coaching mit pferdegestützter Selbstreflexion zu professionalisieren. Die Weiterbildung ist insgesamt in drei Module aufgeteilt, wobei das erste Modul im September 2020 starten wird. Weitere Infos und Termine zu Info-Veranstaltungen gibt es hier
Und wer zunächst doch noch mehr lesen möchte, findet hier online noch eine Artikel von mir zum Thema.

Fazit
Es steckt also einiges mehr hinter Coaching mit Pferden als Pferde streicheln, solange der Boss mit dem Ross und dem Coach lernt. Aber es lohnt sich dennoch einen kritischen Blick hinter solche und ähnliche Angebote zu werfen, da es unzählige Anbieter mit unterschiedlichen Ansätzen gibt.

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